3. September 2019

Des Prinzen neue Kleider (und der Prinzessin ihre auch)

Es scheint eine zwingende Konvention geworden zu sein, dass insbesondere Jungen im Grundschulalter T-Shirts einer streng reglementierten Auswahl von Marken zu tragen haben. Wobei sich „Marken“ nicht auf das Hersteller-Insignium bezieht, sondern auf den „Sponsor“, für den darauf geworben wird.

Häufig sind diese Hemden Trikotoberteile mit den Farben, Wappen und Werbe-Logos führender Erstliga- oder UEFA-Vereine, in der Regel mit Nummer und Namen eines bestimmten Fußballstars versehen. So ein Hemdchen kostet leicht 50 Euro – und in einer Umkehr des Grundgedankens des Sponsorings erhält der junge Träger kein Geld dafür, dass er für eine Firma schauläuft, sondern seine Eltern müssen den stattlichen Aufpreis für die aufgedruckten Prestige-Zeichen entrichten.

Begeisterung zeigen Mädchen und Jungen mit Shirts auch für popkulturelle Medienprodukte. Dauerbrenner wie Star Wars und diverse Disney-Prinzessinnen, aber auch wechselnde Mode-Figuren wie Marvel-Superhelden und Monster High sind scheinbar ein Muss, wenn die Kleinen richtig gekleidet sein sollen, um mit Altersgenossen konkurrieren zu können. Lizenznehmer und Markeneigentümer freut das Klingeln in der Kasse – Kinder, die bei diesem Gruppendruck-Wettstreit nicht mitziehen, werden hingegen schnell als „falsch“ gekleidet abgestempelt.

Was steckt abgesehen von Konkurrenzdenken und Prahlerei hinter dieser Konvention?

Zum einen gezieltes Gendering der Kinderbekleidung: Kaum denkbar, dass ein Mädchen ein Fußball-Trikot trägt oder ein Junge ein Hemd mit der Eisprinzessin.

Zum anderen geht es um die Beschleunigung des Erneuerungszyklus': Trikot-Designs, Spieler- und Sponsorennamen ändern sich in der Regel jährlich. Wer mithalten will, muss jede Saison nachkaufen. Auch die in der Altersstufe angesagten, auf T-Shirts merchandiseten Medienmarken ändern sich schnell; entweder weil die Kinder aus der Thematik einer für Jüngere konzipierten Reihe herauswachsen, oder weil rechtzeitig vor Weihnachten wieder der nächste Werbe-Hype um den neuesten Animationsstreifen aufgebaut wird, um alle damit gebrandeten Lizenzprodukte an das Mädchen oder den Jungen zu bringen.

Nicht einmal die Weitergabe unter Geschwistern ist möglich, wenn dem älteren sein Shirt nicht mehr passt. Für jedes Kind muss ein neues Kleidungsstück gekauft werden.

Doch was wäre die Alternative dazu, sich als Eltern in dieses Dauerlaufrad des Kindersachenkonsums zwingen zu lassen?

Man kann seine Kinder schick anziehen, ohne sie einem Marken- und Figurendiktat zu unterwerfen. Doch vielleicht findet man es auch nicht grundlegend abwegig, die Sprösslinge mit bekannten Charakteren oder zumindest als Hingucker tauglichen Motiven zu versehen?

Man könnte sich mit den Sprösslingen etwa auf Bilder einigen, die nicht nach einem Grundschulhalbjahr oder den nächsten Ferien ihre Aktualität verloren haben, sondern länger oder sogar in zwei bis vier Jahren vom Geschwisterkind getragen werden können. Motive und Figuren aus literarischen und filmischen Klassikern bieten sich da an, beispielsweise Astrid-Lindgren- und Michael-Ende-Charaktere, Die Maus oder meinetwegen Donald Duck.

Der Nachteil: auch bei über Jahrzehnte hinweg relevanten T-Shirt-Motiven wollen die Rechteinhaber mitverdienen. Dementsprechend teurer sind damit bedruckte Textilien.

Günstiger und auch individueller ist es, gemeinsam mit dem Kind ein eigenes Shirt zu gestalten – am besten mit eigenen Motiven, Fotos und Texten. Dank Design und Bestellung im Internet ist es kein großer Aufwand, ein einzigartiges Kleidungsstück zu schaffen, das zudem meist langlebiger und günstiger ist als Marken-Lizenz-Textilien.

14. Juli 2019

Stapel ungelesener Bücher

  • Aligheri, Dante: Die göttliche Komödie (1321)
  • Buchheim, Lothar-Günther (1973)
  • Dick, Philip K.: Ubik (1969)
  • Fossier, Robert: Das Leben im Mittelalter (2007)
  • Gibson, William & Sterling, Bruce: The Difference Engine (1990) 
  • Hauff, Wilhelm: Lichtenstein (1826) 
  • Herbert, Frank: Dune (1965)
  • Hippel, Wolfgang von: Revolution im deutschen Südwesten (1998) 
  • Homer, Odyssee (in der Übersetzung von 1964) 
  • Knigge, Adolph Freiherr von - Über den Umgang mit Menschen (1790)  
  • Lem, Stanislaw: Sterntagebücher (1973)
  • Lovecraft, Howard Phillips: Hüter der Pforten (2003)
  • Milton, John: Das verlorene Paradies (1674)

20. Juni 2019

Stapel gelesener Bücher

Sapkowski, Andrzej: Das Schwert der Vorsehung (1992)

Gut gewürzte Fastfood für Fantasy-Vielleser, aber trotzdem Fastfood. Diese Geschichtensammlung weckte in mir vor allem das Bedürfnis nach Lektüre, die mich gedanklich weiterbringt.

9. Juni 2019

Stapel gelesener Bücher (Kurzgeschichte)

Yermakov, Nicholas: Der Surrogat

Eine verstörende SF-Kurzgeschichte, die in der Erzählung über das Zusammentreffen des Ich-Erzählers mit einer parasitären Echse eine Parabel auf Drogenmissbrauch und dessen soziale Folgeschäden verpackt.

Note: 2

6. Juni 2019

Stapel gelesener Bücher

Crichton, Michael: The Andromeda Strain (1969)

"Andromeda", so der schlichte deutsche Titel, ist ein SF-Thriller aus dem Frühwerk des verstorbenen Michael Crichton. Mit viel Science und wenig Thrill: Der Schwerpunkt des Buchs liegt auf akribischen Beschreibungen der Untersuchungen, die die Wissenschaftler an der abgestürzten Raumsonde und dem außerirdischen Organismus ("Andromeda") vornehmen, den diese auf die Erde gebracht hat.
Man missverstehe mich nicht: Das Buch ist weder langweilig noch langatmig. Aber man benötigt ein Interesse an naturwissenschaftlichen Prozeduren, denn diese stellen den Schwerpunkt der Handlung dar. Die Charaktere bleiben hingegen über weite Strecke zweidimensional. Und nur zwei Szenen - zu Beginn und am Ende des Buches - bieten so etwas wie Action. Ich wage die Behauptung: Ohne die Mondlandung ein Jahr vor Erscheinen des Romans hätte Crichton mit dieser Geschichte niemals eine größere Öffentlichkeit erreicht und keine Weltkarriere beschritten.

Fazit: "Andromeda" ist nicht für jeden etwas, und das gilt auch für die Verfilmung aus em Jahr 1971.
Note: 3


31. Mai 2019

Autobahn

Wenn ich morgens, abends, an verlängerten Wochenende, zu Ferienbeginn oder -ende die Verkehrsnachrichten, besser: die Staumeldungen im Radio höre, kommt mir gelegentlich ein alternativer Text für die zentrale Zeile aus Kraftwerks Überhit in den Kopf:

"Wir steh'n, steh'n, steh'n auf der Autobahn."

Weshalb hat diese Cover-Version eigentlich noch niemand aufgenommen?

10. Mai 2019

Danke für nichts

Sie sind ein in irgendeiner Weise talentierter, ausgebildeter und/oder erfahrener Mensch. Ein Freund oder guter Bekannter fragt, ob sie mit dieser (semi-)professionellen Befähigung etwas für Ihn tun könnten. Unausgesprochen bleibt, dass Sie dafür keine dem tatsächlichen Wert dieser Tätigkeit entsprechende Entlohnung erwarten oder erhalten werden.

Natürlich können Sie, natürlich wollen Sie: Sie sind geschmeichelt, dass der Freund oder Bekannte gerade Sie fragt. Deshalb besprechen Sie mit ihm, was er sich vorstellt, und Sie machen sich an einen ersten Entwurf für das Vorhaben. Sie stecken Herzblut und womöglich Stunden kostbarer Zeit hinein. Dann präsentieren Sie ihm den Entwurf.

Der Freund oder Bekannte bleibt freundlich reserviert, ist aber noch nicht ganz zufrieden. Vielleicht hat er erwartet, dass er etwas erhält, was sehr genau seiner ursprünglichen Vorstellung entspricht. Oder er hat gar keine konkrete Vorstellung davon, was er will, sondern nur den diffusen Wunsch nach etwas anderem.

Sie besprechen, kreativ und professionell, Änderungsmöglichkeiten mit ihm, und machen sich an die Überarbeitung. Zeit vergeht, in der Ihr Freund oder Bekannter gar nicht mehr nach dem Fortschritt Ihrer Arbeit fragt, aber bei der nächsten Gelegenheit zeigen Sie ihm die veränderte Version.

Er bleibt freundlich, aber es wird deutlich, dass auch das nicht dem entspricht, was er sich vorgestellt oder erhofft hat. Der Freund oder Bekannte kommt danach nicht mehr auf Sie zu, um eine weitere, geänderte Fassung zu begutachten. Vielleicht fragen Sie von sich aus, wie es weitergehen soll. Er weicht aus, sagt, dass das Projekt vorerst ruhe, dass man ein anderes Mal wieder darüber reden sollte. Vielleicht spüren sie, dass aus der Sache nichts mehr werden wird, und lassen sie auf sich beruhen.

In jedem Fall war es das. Aus der unentgeltlichen Arbeit, die Sie hineingesteckt haben, wird kein fertiges Ergebnis mehr entstehen. Im schlechtesten Fall bekommen Sie im Nachhinein mit, dass der Freunde oder Bekannte sein Vorhaben mit Hilfe einer anderen Person abgeschlossen und diese dafür womöglich sogar bezahlt hat.

Was lernen Sie daraus? Auch bei Freundschaftsdiensten in Form (semi-)professioneller Dienstleistungen sollte man erstens im Vorfeld erstens offen darüber sprechen, was die Gegenleistung dafür ist oder dass man das kostenlos macht, obwohl es geldwert ist, zweitens gemeinsam festlegen, wieviel Aufwand und wieviele Überarbeitungen angemessen sind, drittens vereinbaren, wann die Dienstleistung übernommen oder die Arbeit beendet wird.

Klare, vorhergehende Vereinbarungen beugen Missverständnissen, beiderseitigen Enttäuschungen und dem Gefühl vor, ausgenutzt zu werden oder für den Papierkorb gearbeitet zu haben. Auch und gerade unter Freunden oder Bekannten bedarf es dieser Kommunikation.

27. April 2019

Erinnerungsfehler

Auch wenn dies ein namhafter Kollege schreibt:
 

"Ich erinnere meine Fehler",

ist kein korrektes Deutsch, sondern Denglisch und ein Falscher Freund. Korrekt wäre entweder "Ich erinnere (mich) an meine Fehler" oder "Ich erinnere mich meiner Fehler".